Isak Thurnauer, Die Sage von der goldenen Wiege zu Burgkunstadt

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Die Sage von der goldenen Wiege zu Burgkunstadt


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Goldene Wiege.png

Verfasst von I. Thurnauer

Auf demselben Hügel, auf dem das alte Städtlein Burgkunstadt erbaut ist, steht auch die Burg der Kunstadt, genannt Altenburg, ein düsteres Gebäude mit angebauten Türmen. Im Burghof standen drei Wachtürme, von wo man die Gegend nach Strößendorf und die nach Ebneth und Kirchlein sehen konnte. Die Burg ist nach drei Seiten mit hohen Mauern umgeben, die vierte Seite grenzt an das Städtlein und ist von demselben nur durch eine mit einem Tor versehene Mauer getrennt, außerdem führte noch ein Tor zu den nahegelegenen Wald, der Eigentum des Ritters Kunstadt war.

In dieser Burg residierte genannter Ritter, ein gewalttätiger, roher Mensch, der sich, wie so viele der umwohnenden Ritter, nur von Raub und Erpressung nährte. Seine Untergebenen zitterten vor ihm, und auch seine Gemahlin wagte es nicht, ihm zu nahen, wenn er zornig war. Diese war sanft und mildtätig gegen alle, und wo der Ritter durch seine Härte verwundete, milderte sie durch Wohltun die Leiden der Bedrückten.

Ihre Ehe war nicht mit Kindern gesegnet, und so viel sie auch Gutes tat und Geschenke an Kirchen und Klöster machte, vermeinend, durch ihr Gebet Leibeserben zu erhalten, verblieb es doch wie es war und sie blieben kinderlos.

Eines Tages ritt der Burgherr in den Wald, der unweit der Burg lag, da sah er einen armen Bauern, welcher sich eine Bürde dürres Holz zusammen gelesen hatte und sie eben in seine unweit der Stadtmauer gelegene Hütte tragen wollte. Der Ritter aber, der in dem Bauern einen Holzfrevler vermutete, ritt zu ihm hin und hieb vom Pferde herab mit einer Hundspeitsche solange auf den Mann los, bist dieser halbtot am Boden lag; so dann wendete er sein Pferd und ritt wieder seiner Burg zu.

Der Bauer aber raffte sich auf und unter schrecklichen Flüchen hinkte er ächzend seiner Hütte zu. Dort angekommen, warf es sich zu Boden und dachte darüber nach, wie er sich wohl an dem Ritter rächen könnte.

Nicht lange war er so gelegen, als sich ihm ein Mann näherte, der aus dem Walde daher kam und sich scheuen nach allen Seiten umsah. Er schien seiner dürftigen Kleidung nach ebenfalls ein Bauer zu sein, und ging, als er nichts Besorgniserregendes sah, gerade auf die Hütte zu und verschwand im Inneren der selben, ehe es der verblüffte Bauer wehren konnte. Er hinkte ihm deshalb nach und fand ihn auf einen alten Schemel sitzend, ihn erwartend.

Der Bauer wollte zornig auf ihn zufahren, der Fremde aber kehrte sich nicht daran und fing an zu sprechen:

Lieber Freund, vor allem muss ich Dir mitteilen, dass ich ein Abgesandter des Bauernbundes bin, die sich zusammengetan haben, um sich an ihren Peinigern und Unterdrückern, den adeligen Herren, zu rächen. Drüben in Thüringen, du wirst wohl schon davon gehört haben, haben die Bauern ihr Lager.

Der Bauer schüttelte zustimmend den Kopf, dann fuhr der Fremde fort:

Ich war vorhin umgesehen Zeuge von der Misshandlung, die Dir der Burgherr zugefügt hat. Warum lasst ihr Euch so peinigen ? Schart Euch zusammen, stürmt ihre Burgen und Schlösser, die meistens nur mit wenig Mannschaft versehen sind. Mit Waffen wollen wir euch versehen, denn wir haben davon im Überfluss, und wenn Waffen ihnen nichts anhaben können, nimmt Feuer zu Hilfe. Dann, wenn ihre Rache an eueren Peinigern genommen, und ihre Schlösser zerstört habt, kommt zu uns , und ihr werdet mit offenen Armen aufgenommen werden und in Fülle alles haben, was euer Herz begehrt.

Der Fremde stand auf und reichte dem Bauern die Hand; derselbe schlug voller Freude in dieselbe und versprach den Fremden, dass er bald von Ihnen hören würde, denn so wie er, warteten Hunderte seiner Brüder auf Befreiung, und nur Mangel an Waffen verhinderte sie noch, los zu schlagen. Da nun aber diesem abgeholfen werden könne, so soll es bald losgehen.

Der Bauer setzte dann dem Fremden Brot und Schnaps vor und ermunterte ihn, zu essen, mehr habe er nicht.

Der Fremde ließ sich nicht lange zu reden, fragte den Bauern noch über die Befestigung der Burg und ihre Besatzungen, worüber der Bauer genügend Auskunft gab, und nachdem auch er sich noch über den Ort des Bauernlagers erkundigt hatte, nahmen sie Abschied voneinander, in dem sie sich eines baldigen Wiedersehens vertrösteten.

Unterdessen war Ritter Kunstadt in seiner Burg angekommen. Missmutig warf er dem Knechte die Zügel seines Rosses zu und wollte eben ins Schloss eintreten, als sich ihm eine alte Zigeunerin zu Füssen warf und um Gnade flehend die Hände zu ihm emporhob.

Was willst Du alte Hexe ? schrie sie der Ritter an.

Ich bitte um Gnade für meinen Sohn, erwiderte die Zigeunerin. Eure Knechte trafen ihn im Walde, wo er heilsame Kräuter suchte, und schleppten ihn gebunden hierher. Er liegt nun schon zwei tage in Eurem Verließ ohne einen Tropfen Wasser oder einen Bissen Brot; lasst ihn frei, gnädiger Herr Ritter, er ist unschuldig. Ich habe durch meine Kunst herausgebracht, wo er sich befindet und wie es ihm ergeht; ebenso gut bin ich auch im Stande, euch eine überaus fröhlichen Nachricht zu geben, und weiß gewiss, dass diese Nachricht Euch Tausend mal mehr freuen wird, als die Haft meines armen Jungen. Der Ritter, der ebenso abergläubig war als tausende seiner adeligen Genossen, die in den Zigeunern nur Menschen sagen, die mit übernatürlichen Kräften begabt waren, ließ den Jungen vorführen und fragte die Alte , in was die fröhliche Nachricht bestehe, die sie ihm können könne. Sollte sie ihn aber betrügen, so sollte sie und ihr Sohn an einem Baum gehängt werden. Die Zigeunerin kehrte sich nicht an diese Drohung, sondern sagte dem Ritter, dass sie vermöge ihrer Kunst herausgebracht habe, dass ihm, ehe noch ein Vierteljahr flossen sei, ein Sohn geboren würde, und wenn er es nicht glaube, so möge er sich bei seiner Gemahlin erkundigen, die es bestätigen würde.

Der Ritter befahl nun, die Alte und ihren Sohn zu bewahren, ging zu seiner Frau, die ihm auch voll Freude die Sache offenbarte; sie hätte ihm auch schon lange Mitteilung darüber machen wollen, er wäre aber immer so launig und zornig gewesen, dass sie sich nicht traute, ihm zu nahen, und die Mitteilung von einem zum anderen Tag verschoben habe. Wie es aber die Zigeunerin erfahren, können sie sich nicht enträtseln, da sie außer der Ammfrau des Städtchens niemand ihr Geheimnis vertraute.

Ritter Kunstadt war über diese Nachricht hoch erfreut und entließ die sofort die Zigeunerin und ihren Sohn, reich beschenkt.

Seiner Gemahlin aber sagte er, dass er eine goldene Wiege anfertigen lassen wolle, dass sein Erbe gleich einem Prinzen darin Unruhen könne.

Des anderen Tags war dem Ritter ein Knappe gemeldet, der ihn sprechen wolle. Es war der Knappe eines befreundeten Ritters aus der Nachbarschaft; derselbe brachte Botschaft von seinem Herrn, dass derselbe beabsichtige, einen größeren Streifzug zu unternehmen, bei dem viel Beute zu erwarten wäre. Nürnberger Kaufleute, die von der Leipziger Messe kamen, waren auf ihrem gewöhnlichen Wege von anderen Rittern bedroht, daher sie den Entschluss fassten, über Hollfeld zu reisen, wo sie glaubten, trotz des viel längeren Weges unbehelligt durchzukommen. Der Knappe sagte noch, im Falle der Ritter an dem Überfall teilnehmen wolle, sei die Zusammenkunft in Schloss Ziegenfeld, wo das nähere der Abrede würde.

Der Ritter ließ den Knappen reichlich bewirten, und nachdem ihm der Knappe noch die Zeit der Zusammenkunft angegeben, schied er mit der Zusicherung des Ritters, dass er gewiss sich einstellen werde. Zur festgesetzten Zeit rüstete der Ritter ein Dutzend seiner besten Knappen aus, befahl ihnen Waffen und Pferde in Stand zu halten, legte ebenfalls seine beste Rüstung an und ritt mit seinen Leuten aus dem Tore der Burg; sie nahmen ihren Weg durch das Städtchen.

Die Bürger schauten ihnen verstohlens nach und bekreuzten sich, denn sie wussten wohl, was diese Auszüge zu bedeuten hatte; sie bemitleideten im voraus die Armen, auf denen es abgesehen war. Der Ritter ritt mit seinen Leuten gen Weismain zu, nach einigen Stunden kamen sie in Schloss Ziegenfeld an und wurden von den schon Anwesenden Rittern von Streitberg, Neudeck und anderen fröhlich begrüßt. Die Knappen zechten im Burghof von einem Fass Bier, welches sie von Weismain holen ließen, und die Herren ließen es sich in der Halle beim Wein wohl sein.

Das Gelage dauerte bis in die Nacht hinein, dann zog der vereinigte Haufe gegen Hollfeld zu und legten sich in einem Hinterhalt. Auch besetzten sie die Nebenwege, durch die sie vermuteten, dass die Kaufleute kommen könnten. Dann schickten sie einen Knappen als Kundschafter aus, der ihnen rechtzeitig von dem kommen der Kaufleute Nachricht geben sollte.

Ihre Geduld wurde aber auf eine harte Probe gestellt, denn es ließ sich die ganze Nacht nichts blicken. Aber als der Tag graute, kam der Kundschafter in voller Eile daher und berichtete den Rittern, dass ein Zug von vier Wagen, begleitet von ungefähr 12 Reisigen in längstens einer Viertelstunde kommen würde.

Die Nachricht bewies sich als richtig, denn nicht lange dauerte es, so kamen die Wagen in Sicht.

Die Ritter verabredeten den Angriff, und auf ein Zeichen stürmten Sie von allen Seiten auf die Reisigen und Wagen los.

Die Reisigen wehrten sich tapfer, auch die Kaufleute beteiligten sich am Kampfe und auf beiden Seiten gab es bald Verwundete genug; aber die Übermacht war auf Seite der Ritter, und nicht lange, so lagen die Kaufleute am Boden, während ihre Beschützer, die Reisigen, in wilder Flucht davon ritten.

Die Kaufleute wurden gefesselt, mit den Verwundeten auf die Wagen geworfen und fort ging es in wilder Hast einem freien Platz zu, wo die Beute geteilt wurde.

Jeder Ritter erhielt außer seinem Anteil an Waren, den betreffenden Teil an Pferden und Wagen. Die Kaufleute und ihre Diener wurden ausgelost; der Ritter Kunstadt erhielt auch seinen Teil, einen älteren würdigen Herrn und seine zwei Diener.

Als alles geordnet war, verabschiedeten sich die Raubritter voneinander und jeder ritt mit seinen Leuten, die gemachte Beute mit sich führend, seiner Burg zu.

Als der Ritter Kunstadt zu Hause angekommen, lies er den Kaufmann mit seinen Dienern ins Burgverlies sperren; man brachte ihnen genügend Brot und Wasser und ließ sie dann allein.

Der Täter ließ die gemachte Beute im Schlosshof auspacken; sie bestand meistens in feinen Tuchen und seidenen Stoffen. Die Tuche wurden in einer Kammer untergebracht, während die Seidenstoffe in den Burgsaal getragen und ausgebreitet wurden, worauf er seine Gemahlin rufen ließ, um sich nach Belieben davon auszuwählen.

Die arme Frau wusste wohl, dass es geraubte Waren seien und dass gar oft Blut und Leben an deren Erwerb hingen, aber sie musste sich stellen, als ob sie Freude daran habe, um nicht den Zorn ihres Gemahls zu erregen.

Unter dieser Beschäftigung war es Nacht geworden und alles im Schlosse überließ sich der Ruhe.

In der Frühe des nächsten Tages ließ Ritter Kunstadt den Nürnberger Kaufmann vor sich bringen und redete ihn folgendermaßen an:

„Ihr seid ein Kaufmann aus Nürnberg und dies soll eine Stadt sein, wo allerlei Künste getrieben werden. Ich könnte ein großes Lösegeld von Euch verlangen, denn Euere Diener sagten, dass Ihr ein reicher Mann wäret. Indessen will ich davon absehen und mich billig finden lassen; so will ich Euch und Euere Diener frei geben, wenn Ihr mir in Nürnberg eine g o l d e n e Wiege fertigen lasset. Nun sagt, was Ihr zu thun gedenkt.“

Der Kaufmann besann sich nicht lange und antwortete dem Ritter:

„Wohl bin ich im Stande, Euch eine solch goldene Wiege anfertigen zu lassen, denn mein Nachbar ist ein gar kunstfertiger Goldschmied; aber mit all seiner Kunst ist er kein reicher Mann geworden und ich bezweifle, dass er so viel Gold zusammenbringen kann, als die Anfertigung der Wiege erheischt.“

Darauf erwiderte der Ritter: „Wenn es weiter nichts ist, so viel Gold werde ich wohl auftreiben können. Ich gebe das Gold, aber die Anfertigung müsst Ihr bezahlten; und dies soll zugleich Euer Lösegeld sein. Schickt einen Euerer Diener nach Nürnberg und lasst bei Euerem Nachbar Goldschmied anfragen, wie viel Gold er benötige, um eine Wiege herzustellen. Der Diener kann auch Euerer Frau Nachricht von Euch geben und wenn sie etwas für Euch tun wolle, so solle sie die Anfertigung der Wiege beschleunigen lassen, denn je eher die Wiege fertig ist, desto eher werdet Ihr frei sein. Sollte es Euch aber einfallen, etwas Böses gegen mich zu planen, so werdet Ihr an die höchste Zinne meiner Burg gehängt werden.

Der Kaufmann, froh so wohlfeilen Kaufs davon gekommen zu sein, beteuerte dem Ritter, dass kein Falsch in ihm sei und dass er alles aufs Beste besorgen wolle; er solle ihm nur seinen Diener Kaspar schicken, den er nach Nürnberg schicken wolle.

Der Ritter entfernte sich nun und sandte den Diener zu seinem Herrn.

Der Kaufherr gab nun dem Kaspar seine Verhaltungsmaßregeln, prägte ihm scharf ein, dass er so schnell wie möglich nach Nürnberg zu kommen suche, dort angekommen, gleich zu seiner Frau gehen und ihr seine Lage vorstellen solle. Seine Frau solle alles aufbieten, um die Wiege recht bald zu erhalten, damit er frei werde.

Kaspar versprach seinem Herrn alles zu besorgen; verabschiedete sich von ihm mit tränenden Augen, nochmals versprechend, bald zurück zu kommen. Dann ließ er sich bei dem Ritter melden und bat ihn um einen Geleitsbrief.

Der Ritter erfüllte seine Bitte und trug ihm nochmals auf, die Angelegenheit pünktlich zu besorgen. Der Diener Kaspar bekam nun ein gutes Pferd, genügende Lebensmittel und etwas Geld und ritt vergnügt aus Burg und Stadt.

Als er einige Stunden geritten war und eben in einen Wald einbiegen wollte, gesellte sich ein Mann zu ihm von hagerer Gestalt und einfacher Kleidung, dessen Aussehen nicht besonders Vertrauens erweckend war und fragte, wo er hin wolle und da es scheine, dass er ganz unbewaffnet sei, ob er denn nicht wisse, dass der Bauernbund auch schon bis in diese Gegend vorgedrungen sei und er sehr leicht in die Hände desselben fallen könnte.

Kaspar sagte dem Fremden wiederum, dass er der Diener eines Nürnberger Kaufmanns wäre, dass sie in Gefangenschaft des Ritters Kunstadt geraten wären, der ihnen alle ihre Habe geraubt habe und nun nach Nürnberg reiten müsse, um als Lösegeld für seinen Herrn eine goldene Wiege fertigen zu lassen für den Sohn, den der Ritter nächstens zu erwarten hätte. Der Fremde lachte ingrimmig, verfluchte den Ritter und seine ganze Sippe und erwiderte dann, dass bald die Zeit da sein werde, wo der Ritter froh sein würde, wenn er seinen Sohn auf Stroh betten könnte. Darauf fragte er den Diener, ob die Burg sehr stark sei, wie viel Knechte der Ritter im Sold habe und ob die Bürger des Städtchens den Ritter gerne hätten oder ob es das Gegenteil sei. Kaspar, der ahnte, mit wem er es zu tun hatte, erwiderte dem Fremden, dass sein Herr und er immer in harter Gefangenschaft gehalten worden wären, dass er nie in den Burghof gedurft hätte; doch nach dem, was er beobachtet, könne die Zahle der Knechte sich höchstens auf 15 – 20 Reisige belaufen und dass er bei seinem Durchritt durch das Städtchen viele Verwünschungen über den Ritter vernommen habe, was gerade nicht davon zeuge, dass er besonders beliebt sei.

Unter diesen Gesprächen waren die beiden an einem Kreuzweg angekommen; der Fremde ging den Weg gegen Schloss Banz zu, während Kaspar nach Lichtenfels ritt, dessen Türme man schon sehen konnte. Sie nahmen Abschied von einander und dabei äußerte der Fremde noch: Wenn die Wiege nicht bald fertig würde, so würde sie wohl der Ritter nicht mehr brauchen können. Und ehe Kaspar um Aufschluss über diese Rede bitten konnte, war der Fremde im dichten Gebüsch verschwunden.

Kaspar aber ritt wohlgemuth seine Straße und traf am dritten Tage ohne weitere Fährlichkeiten in Nürnberg ein.

Der andere Wanderer ging indess durch unwirtbare Gegenden und musste sich oft durch dichtes Gestrüpp Bahn machen, wobei er ein langes Messer brauchte, welches er unter seiner Jacke im Gurt trug. Er mochte auch so 4 – 5 Stunden gegangen sein, als er, auf eine Freiung hinaus kommend, einen bewaffneten Mann erblickte, der ihm zurief, stehen zu bleiben. Er tat dies und im selben Augenblick kamen noch 3 Männer, ebenfalls bewaffnet, auf ihn zu und banden ihm ohne weiteres die Hände auf dem Rücken zusammen. Der Fremde wehrte sich nicht und sagte nur, dass er ein Freund und Genosse von ihnen sei; sie sollten ihn nur zu ihrem Hauptmann führen, dann würde sich alles aufklären. Daraufhin entledigten sie ihn seiner Bande und führten ihn mit sich waldeinwärts.

Nicht lange waren sie gegangen, so begegneten sie wieder bewaffneten Männern. Die Begleiter des Fremden sagten den Männern ein Loosewort, worauf sie weiter unbehelligt ins Lager kamen.

Sie hörten schon von weitem wüstes Singen und Schreien; allenthalben bewaffnete Bauern, die sich mit trinken, singen und spielen unterhielten.

In der Mitte des Lagers befand sich das Zelt des Hauptmanns, wie ihn die Bauern nannten. Das Lager selbst hatte meistens statt der Zelte festgebaute Erdhütten, die mit feinen Stoffen, die sie in erstürmten Schlössern geraubt hatten, ausgestattet waren.

Der Gefangene wurde in das Zelt des Hauptmanns gebracht, wo sich derselbe einem kräftig gebauten Mann mit großem Bart gegenüber befand. Da dies der Hauptmann war, so gab der Fremde demselben einen Zettel, den er aus seiner Jacke heraus zog. Aber kaum hatte der Hauptmann den Inhalt gelesen, als er dem Fremden die Hand zum Gruße bot, ihm Erfrischung vorsetzen ließ und ihn aufforderte zu erzählen, wo er gewesen und welche Kundschaften er eingezogen habe.

Der Fremde erzählte nun alle seine Begebnisse und Beobachtungen, u.a. auch sein Zusammentreffen mit dem Diener des Nürnberger Kaufmanns und was ihm derselbe über den Burgherrn und die Mannschaft der Burg mitgeteilt hätte. Er glaube, dass die Bewohner der Städtchens Burgkundstadt, wenn man sie in Ruhe ließe, eher zu den Bauern halten würden.

Der Hauptmann vernahm mit Befriedigung die Aussagen des Kundschafters, gab demselben eine namhafte Summe Geldes und sagte seinen Unterbefehlshabern, dass sie diesem Mann, so lange er im Lager weile, alles reichen müssten, was er verlange und dass ihn bei Leibesstrafe keiner mit Wort und Tat behelligen solle; sie sollten ihm ein gutes Zelt und reichlich essen und trinken geben, da er ein Mann von großen Verdiensten um ihre Sache sei.

Als der Diener des Kaufherrn, Kaspar, in Nürnberg angekommen war, ritt er sogleich vor das Haus seines Herrn. Er stieg vom Pferde, welches ein herbeigekommener Knecht sogleich an sich nahm und ließ sich bei seiner Herrin melden.

Dieselbe war sehr erschrocken, als sie vernahm, dass der Kaspar allein gekommen sei. Sie ließ ihn sogleich zu sich kommen und da musste er vor allem schwören, dass sein Herr am Leben und gesund sei, dann erst kam er zum Erzählen.

Er berichtete nun die ganze Begebenheit und die Ursache, warum er hierher gesandt wurde und bat seine Herrin, die Sache recht zu beschleunigen, damit sein guter Herr recht bald wieder frei würde. Die Frau sandte auch gleich zu dem berühmten Goldschmied Wenzel und besprach sich mit ihm über diese Arbeit.

Meister Wenzel dachte etwas nach, nahm dann einen Zettel, worauf er berechnete, wie viel an Gold er benötige. Wenn das Gold da wäre, so würde er die Wiege in 14 Tagen fertigen können. Die Frau versprach dem Goldschmied baldige Lieferung des Goldes, ließ den Kaspar gut bewirten und schickte ihn, nachdem er zwei Tage ausgeruht, wieder gegen Burgkundstadt zu. Sie gab ihm auch Geschenke für die Burgfrau mit, damit ihr Mann besser behandelt würde.

Kaspar kam auch ohne besondere Fährlichkeiten am dritten Tage in Burgkundstadt an. Er ließ sich beim Burgherrn melden, stattete demselben Bericht ab und übergab ihm die Berechnung des Goldschmieds. Dann ging er zu seinem Herrn und erfreute ihn mit guten Nachrichten von zuhause, übergab der Burgfrau, welche sehr erfreut war, die Geschenke, bestehend in gestickten Schürzen und Tüchern aus Samt und Seide mit Gold und überließ sich dann der Ruhe in seinem Gefängnisse.

Der Ritter suchte nun alle goldene Geschmeide zusammen, was er zusammengeraubt hatte und siehe, das Gewicht überstieg noch bedeutend das geforderte des Goldschmieds.

Der Ritter argwöhnte aber nun, wenn er das Gold nach Nürnberg senden würde, es ihm veruntreut werden könnte. Er wandte sich deshalb an seine Gemahling, die ihm schon manchen guten Rat erteilt hatte und trug ihr die Sache vor.

Dieselbe sagte auch sogleich, dass dies sehr einfach sei. Er solle nur den Diener des Kaufmanns, der eben von Nürnberg zurückgekommen, wieder mit dem Golde dorthin senden; denn da er seinem Herrn sehr anhänglich sei, so müsste er darauf aufmerksam gemacht werden, dass, wenn er das Gold veruntreue oder es auf andere Art verliere, sein Herr mit dem Leben dafür büßen müsse. Dieser Vorschlag leuchtete dem Ritter ein. Er ließ den Diener Kaspar sogleich zu sich kommen und sagte zu ihm:

„Du weißt, dass Du und Dein Herr in meiner Gewalt seid; ich könnte Euch das Leben nehmen und kein Hahn würde danach krähen. Ich weiß auch, dass Dein Herr sehnsüchtig der Zeit harrt, bis er aus seiner Haft befreit sein wird und er wieder zu seiner Frau und Kindern nach Nürnberg kann. Wohlan denn, in Deiner Hand steht es, Deinen Herrn frei zu machen, indem Du wieder nach Nürnberg gehen und das Gold zur Wiege dorthin bringen sollst. Ich werde Dir Bedeckung und Geleitsbriefe mitgeben, bis Du in der Nähe der Stadt sein wirst, dann verbleibst Du dort, bis die Wiege fertig ist und bringst mir solche wieder hierher. Den Arbeitslohn muss Deines Herren Frau bezahlen. Dies soll Euer Lösegeld sein. Wenn Du aber nach Verfluss dreier Monate nicht wieder hier bist, denn wehe Deinem Herrn, ich lasse ihn an die höchste Zinne meiner Burg hängen.“

Kaspar sagte darauf: „Gnädiger Herr, gebt mir das Gold wohlverpackt und lasst mir zwei Reisige als Bedeckung dienen, mehr wird nicht von nöten sein, aber einen guten Geleitsbrief lasst mir ausstellen, denn ich gedenke durch die Gebiete der Ritter von Rabeneck, Neudeck und Streitberg zu reiten, damit ich schneller nach Nürnberg komme und nicht an der Thüringer Gegend vorüber muss, denn wie ich gehört, sollen die Horden der rebellischen Bauern schon bis Lichtenfels streifen und ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, dass ihre Kundschafter auch schon in hiesiger Gegend gewesen sind.“ Da lachte der Ritter höhnisch und entgegnete: „Vor dem Bauerngesindel fürchte ich mich nicht und gnade ihnen Gott, wenn sie sich an meine Burg wagen sollten; wir wollen ihre dummen Köpfe blutig dreschen, dass sie das Wiederkommen vergessen sollen.“

Tags darauf ließ er das Gold gut verpackt auf ein Pferd binden, das er dem Kaspar zur Verfügung stellte, gab ihm gute Geleitsbriefe, ließ ihn und zwei bewaffnete Reisige mit Lebensmitteln versehen und schärfte den Reisigen noch besonders ein, den Diener gut zu beschützen und denselben bis nach Nürnberg zu begleiten. Dort sollten sie dann in einer Herberge vor der Stadt bleiben, bis der Diener fertig sei und sollten sie dann mit ihm wieder hierher reiten.

Auch der Kaufherr sicherte ihnen extra eine gute Belohnung zu, wenn sie seinen Diener sicher hin- und zurück brächten.

So zogen denn alle drei mit guten kräftigen Pferden versehen und gut bewaffnet aus den Thoren der Burg und Stadt.

Dem Ritter ließ indes die Nachricht des Dieners Kaspar über das Vorhandensein von Streitscharen der rebellischen Bauern in der Nähe nicht ruhen. Er untersuchte selbst alle Mauern und Verteidigungswerke der Burg, ließ im Städtlein viele Lebensmittel aufkaufen und ließ von bewährten Maurern einen gewölbten Gang herrichten, der noch in rohem Zustande war und von der Burg in die Stadt führte und in dem Hofe eines Bürgers, der damit einverstanden war, ausmündete.

Es war auch höchste Zeit, dass sich der Ritter vorsah, denn jede Nacht rötete sich der Himmel in der Gegend nach Thüringen, da die Bauern immer die erstürmten Schlösser in Brand steckten. Der Ritter ließ sich sogar herbei, auf drängendes Zureden seiner Gemahlin bei einer Ratsversammlung des Städtchens zu erscheinen, um zu beraten, was man tun könne, um die Bauern von Burg und Stadt abzuhalten. Er benahm sich aber bei der Versammlung so befehlshaberisch und grob, dass ihm der Bürgermeister erklärte, dass er auf ihre Hülfe nicht rechnen könne, da sie genug mit sich zu tun hätten und er überhaupt die Bürger immer so schlecht behandelt hätte, dass sie sich nicht für ihn totschlagen lassen würden, er solle daher nur für sich allein sorgen.

Daraufhin entfernte sich der Ritter ohne Gruß und schwor, dass er sich schon für diese Kränkung rächen würde.

Der Bürgermeister und Rat der Stadt beschlossen aber, dass, wenn sich die Bauernhaufen der Stadt näherten, an dieselben eine Deputation abzuschicken, die mit ihnen unterhandeln sollten, damit das Städtlein verschont bliebe.

Unterdessen waren drei Wochen verflossen, ohne dass sich die Bauern nährten und ohne dass man etwas von Kaspar und seinen Begleitern hörte.

Die Burg war gut befestigt und vorgesehen, der unterirdische Gang war fertig, auch die Stunde der Entbindung der Burgfrau rückte näher.

Eines Tages sah ein Turmwächter auf dem Turm gegen Strößendorf drei Reiter im scharfen Trapp gen Burgkundstadt zu reiten. Er kündigte dieses durch ein Hornsignal an und nach wenigen Minuten stand der Burgherr schon neben ihm und spähte hinaus. Er sah, dass zwei Reiter seine Farben trugen und der dritte ein großes Bündel hinten auf seinem Pferde aufgepackt hatte. Das waren gewiss seine Leute, die von Nürnberg zurück kamen. Sie wurden augenscheinlich verfolgt, denn sie machten von Zeit zu Zeit Zeichen und es dauerte auch nicht lange, so sah der Ritter schon eine große Schar bewaffneter Männer aus dem Walde hervor kommen.

Der Ritter stieg augenblicklich hinab, hieß ein Dutzend seiner Knechte sich schnellstens zu waffnen und ritt dann im Galopp mit ihnen seinen Leuten entgegen, gerade zur rechten Zeit, denn die Pferde derselben waren schon ganz erschöpft, während die Bauern, denn solche waren es, mit wildem Geschrei immer näher kamen. Als sie aber den Ritter mit seinen Knechten daher kommen sahen, machten sie kehrt und liefen wieder dem Wald zu.

„Das war Hülfe zu rechten Zeit, Herr Ritter,“ sagte Kaspar, denn dieser war es, „noch einige Minuten und die Pferde wären gestürzt und wir wären gefangen worden. Aber nun wollen wir machen, dass wir in die Burg kommen, denn ich fürchte, der ganze Wald steckt voll von diesem Gesindel.“

Darauf setzen alle ohne weiteren Wortwechsel die Pferde in Trapp und langten bald von dem Burgthor an.

Der Diener Kaspar und die zwei Reisige bekamen nun einen tüchtigen Imbiss vorgesetzt, und nachdem sie gesättigt und ausgeruht waren, ließ sich Kaspar beim Ritter melden und bat denselben, auch seinen Herrn holen zu lassen, damit er seine Erzählung auch mit anhören könne.

Der Kaufherr wurde herbeigeholt und hatte eine große Freude, als er seinen Diener wieder sah. Derselbe richtete Grüße aus, übergab ihm Briefe von seiner Frau und fing dann an zu erzählen: „Gnädiger Herr Ritter, ich habe Eueren Auftrag ausgeführt und die goldene Wiege ist da. Euere Knechte werden sie nunmehr von meinem Pferde abgepackt haben, aber wie bald hätten wir darum kommen können, wenn uns die Bauern eingeholt und Ihr uns nicht zur Hülfe gekommen wäret. Aber ich will der Reihe nach erzählen, wie es uns ergangen ist.

Ich kam mit meinen Begleitern, Eueren Reisigen, nachdem ich mich schon mehrere Stunden im Gebirg befand, mit dem Ritter von Streitberg zusammen. Derselbe stürmte mit seinen Knechten mit eingelegten Lanzen auf uns ein. Da zog ich Euer Geleitschreiben und schwenkte es über den Kopf; daraufhin ritt der Ritter Streitberg auf mich zu und nachdem er Euer Schreiben gelesen, trug er mir viel Grüße an Euch auf und entließ uns sehr gnädig.

Wir ritten dann weiter und langten ohne besondere Fährlichkeiten bis in das Gebiet der Stadt Nürnberg. Im Dorfe Hummelstein hielten wir und ich quartierte Euere Knechte in einer guten Herberge ein; ich sagte beim Wirt, der mich sehr gut kannte, dass er die Knechte auf Kosten meines Herrn bewirten solle, bis ich sie wieder abholen würde.

Ich ließ also die Knechte da und ritt eine viertel Stunde später in Nürnberg ein, suchte sogleich das Haus meines Herrn auf, fand alles froh und wohlgemuth und meine Gebieterin hatte große Freude und ließ es mich an nichts fehlen.

Als ich mich gesättigt und ausgeruht hatte, ließ sie mich vor sich kommen und fragte mich nach allem aus. Wir besprachen uns noch wegen der Ablieferung des Goldes, worauf sie mich verabschiedete und ich mich nach Bequemlichkeit ausruhen konnte.

Des andern Tags in der Frühe wurde ich wieder zu meiner Herrin beschieden. Sie befahl mir, das Gold zu nehmen und nachdem dies geschehen, gingen wir beide zu Meister Wenzel. Der Meister begrüßte uns freudig und sagte, ob wir so viel Gold zusammen gebracht hätten; statt einer Antwort packte ich meine Sack aus und legte ihm den Inhalt Stück für Stück vor. Meister Wenzel wog das Gold nunmehr und nachdem er das nötige genommen, blieb noch mehreres davon übrig, welches ich wieder mit hierher brachte.

Ich sagte zum Goldschmied noch, dass ich hier bleiben werde, bis die Wiege fertig ist und er deshalb seine Arbeit so schnell als möglich beginnen möchte.

Dann ging ich nach Hummelstein, um zu sehen, wie es Eueren Knechten ginge. Ich fand sie lustig und guter Dinge; ich prägte ihnen ein, keinen Streit zu beginnen, denn wenn es heraus käme, dass sie Reisige des Kunstadt wären, könnte es ihnen schlimm ergehen, von wegen der öfteren Gefangenhaltung von Nürnberger Kaufleuten.

Sie versprachen mir auch, alles zu meiden, was sie Aufmerksamkeit auf sie lenken könnte und so verließ ich sie beruhigt.

Zur festgesetzten Zeit brachte Meister Wenzel die Wiege fertig zu unserer Frau. Halb Nürnberg war auf den Beinen um das Prachtstück zu sehen, denn der Meister stellte es einen ganzen Tag in seinem Schaufenster aus. Dann wurde sie uns wohlverpackt übergeben und die Verfolgung durch die Bauern ausgenommen, hatten wir eine glückliche Herreise.“

Die Wiege wurde nun ausgepackt und viel bewundert. Es waren herrliche Zierarten aus Gold, Silber und bunten glänzenden Steinen daran angebracht; so Schönes hatte man im Schlosse noch nicht gesehen. Der Ritter und seine Frau hatten große Freude damit; sie sagen dem Kaufherrn, dass er und sein Diener nun frei seien und zu jeder Stunde abreisen könnten.

Der Kaufherr ließ es sich auch nicht zweimal sagen. Des andern Tags in der Frühe verabschiedete er sich vom Ritter und seiner Frau und fuhr mit seinem Diener auf seinen eigenen Wagen und Pferden aus der Burg hinweg.

Seit der Zeit mochten wohl 14 Tage verflossen sein, als ein Burgkundstadter Bürger, der im Stadtwalde etwas Holz zusammen machte, mit schreckensbleichem Gesicht in die Stadt gelaufen kam und schleunigst zum Bürgermeister verlangte und nicht lange war er mit demselben aufs Rathaus, so tönte das Rathausglöcklein durch die Luft, was bedeutete, dass die Ratsherren sich im Rathaus versammeln sollten.

Dieselben eilten auch in kurzer Frist dorthin, die Bürger verließen ihre Werkstätte und standen auf dem Marktplatz in Gruppen beieinander und tauschten gegenseitig ihre Meinungen aus, was wohl vorgegangen sein möge. Sie blieben aber nicht lange in Ungewissheit, denn erneutes Glockengeläute rief auch sie sofort zum Rathaus. Sie liefen auch wie sie standen mit Schurzfellen und Gollern bekleidet in den Saal. Nachdem alles beisammen war, erhob sich der Bürgermeister, gebot Ruhe und befahl dem Bürger, seine Sache vorzutragen. Derselbe erzählte nun:

„Ich war beim Holzsammeln im Walde beschäftigt, als ich mit einem Male entferntes Schreien, Gejohle und Singen vernahm. In dem Wahne, es könnten fremde Holzfrevler sein, erkletterte ich schnell einen dicht belaubten Baum, der in der Nähe stand und nach kurzer Zeit sah ich eine Rotte von mehreren Hundert Mann daher kommen, die alle mit langen Spießen, Schwertern und allerlei Mordwerkzeugen bewaffnet waren. An ihrer Spitze ging ein geharnischter Mann, auf seinem Helm hatte er eine rote Feder stecken, er trug eine Streitaxt und war außerdem mit Schwert und Dolch bewaffnet.

Neben dem Anführer ging ein Mann, den ich ganz wohl kannte; es war der Wurzelhannes, der draußen im Peuntles seine Hütte hatte und den der Ritter Kunstadt so jämmerlich durchgeprügelt.

Ich lauschte auf ihre Reden und hörte, wie sie beratschlagten, ob sie erst das Städtlein oder erst die Burg überfallen sollten. Der ganze Haufen kam von der Hochstadter Gegend über Ebneth durchs Holz, wo sie wahrscheinlich ruhen werden. Ich rutschte schnell vom Baume herunter und kam herein, um es Euch anzusagen“.

Rat und Bürger waren bei dieser Erzählung bleich geworden, denn es war kein Zweifel, dass diese Leute eine Abteilung des Bauernheeres seien, deren Überfall sie in der Nacht zu gewärtigen hätten.

Alles jammerte und klagte. Da erhob sich der Bürgermeister mit ernster Miene und sagte: Vor allem müssen die Thore verschlossen und verrammelt werden; jeder Bürger, der Waffen tragen kann, muss sich bewaffnen und hierher kommen, wo ihm gesagt wird, was er zu tun hat. Es müssen Tag und Nacht Wachen auf den Mauern und an den Thoren sein, große Raufen mit Wasser bereit gehalten werden, damit, wenn der Feind Feuer anlegt, gleich gelöscht werden kann. Zugleich ordnete der Bürgermeister an, dass aus den Bürgern sechs Mann ausgewählt werden sollen, die redegewandt und klug sein müssen und die man sogleich an die Bauern absenden müssen, um zu erfahren, was man tun könne, nur damit sie das Städtlein schonen und überhaupt mit ihnen unterhandeln sollten.

Als dies alles angeordnet wra, beruhigten sich die Bürger einigermaßen und beschäftigten sich damit, in Kellern und abgelegenen Orten ihre Habe zu verbergen. Der Bürgermeister ließ den Ritter auch davon benachrichtigen, dass die Bauern im Anzuge wären und dass er sich vorsehen solle; von der Deputation ließ er ihn aber nichts wissen.

Der Ritter war sehr betroffen ob dieser Mähre, er glaubte schon, dass sich die Bauern anderwärts hingezogen hätten und dass sie nicht so frech sein würden, sich so weit vor zu wagen. Er war nicht seinetwegen beunruhigt, sondern wegen seiner Frau, die jetzt jeden Tag ihrer Entbindung entgegen sah.

Obwohl er auf die Höhe und Stärke seiner Burgmauern vertraute, so war er doch ängstlich und bat deshalb die Bürger von Burgkundstadt, ihm mit Mannschaft beizustehen; er wolle es ihnen reichlich lohnen. Aber sie sagten ihm, dass sie für ihre Familien sorgen müssten und gaben ihm den Rat, er solle fliehen, da es noch Zeit sei.

Da wurde der Ritter zornig, schalt sie Feiglinge und elende Spießbürger und kehrte wieder zu seiner Burg zurück.

Die Deputation der Bürger hatte indes das Bauernlager, welches sich in der Nähe von Hochstadt befand, aufgefunden; ein Fahnenträger mit einer weißen Fahne, begleitet von einem Trompeter, gingen voraus. Als sie näher kamen, blies der Trompeter und sofort waren sie von 20 Mann umringt, die mit vorgehaltenen Speeren sie befragten, was sie wollten.

Einer der Bürger sagte, sie wollten zu ihrem Hauptmann, dem sie ihr Anliegen sagen würden. Die Bauern nahmen sie dann und führten sie ins Lager, wo sie dieselben zu ihrem Anführer brachten. Dieser, ein schöner großer Mann in ganzer Ritterrüstung, musterte die Abgesandten der Bürger streng und frug, was sie wollten und wer sie seien.

Der Sprecher der Deputation sagte nun, dass sie Bürger von Burgkundstadt seien, von ihrem Bürgermeister und Rat abgesandt, um mit dem Hauptmann zu unterhandeln, unter welchen Bedingungen er ihr Städtlein verschonen würde.

Der Hauptmann erwiderte darauf, dass er die Stadt verschonen und nicht einmal betreten wolle, aber nur wenn die Stadt 1000 fl gleich erlegen und so lange seine Leute da seien, sie mit Lebensmitteln und Bier reichlich und gut versorgen wollten. Er habe es weniger auf das Städtlein abgesehen, vielmehr auf die Burg und werde dieselbe stürmen. Er mache es deshalb zur Hauptbedingung, dass ihm die Bürger nichts in den Weg legen, noch gar dem Ritter helfen sollten; sie dürfen sich an gar nichts kehren, sondern in ihren Häusern bleiben. Bis morgen mittag wolle er ihrer Antwort harren, wenn der Rat bis dahin seine Bedingungen nicht angenommen, so solle erst das Städtlein und dann die Burg gestürmt und verbrannt werden.

Darauf wurde die Deputation entlassen. Sie gewahrten beim Verlassen des Lagers viele Sturmleitern und mehrere Leute beschäftigten sich mit Anfertigung von Pechkränzen.

Ging die Deputation auf dem Herweg still und furchtsam, so war der Heimweg desto fröhlicher, weil sie sich sagen konnten, dass die Bedingungen angenommen würden und das Städtlein nichts zu fürchten hätte. Sie waren deshalb lustig und sangen, bis sie wieder ins Städtlein kamen; dann zogen sie fröhlich und jauchzend aufs Rathaus, wo sie vom Bürgermeister und Rat nebst großen Teil der Bürger empfangen wurden. Man merkte ihnen an, dass sie gute Botschaft brachten und gar manches Gemüt wurde erleichtert, als die Abgesandten die Bedingungen der Bauern bekannt machten.

Der Bürgermeister erklärte, dass man alles geforderte gewähren und annehmen müsse, über ihr Verhalten während des Sturmes auf die Burg müssten sie sich erst beraten.

Die Beratung dauerte indes den Bürgern viel zu lange und so sandten sie Leute aufs Rathaus, die vorbrachten, dass, wenn der Rat nicht alles genehmige, sie selbst zu den Bauern halten würden. Darauf hin und weil der Rat selbst ängstlich war, wurde alles genehmigt. Es wurde sogleich dieselbe Deputation, die schon einmal bei den Bauern war, wieder an dieselben gesandt. Ein Wagen mit Bier und Lebensmitteln begleitete dieselben und wurde ihnen noch ein Schreiben mitgegeben, worin sich die Stadt mit allen Bedingungen zufrieden erklärte und auch das Geld zu zahlen versprach.

Von all diesem erfuhr der Ritter nicht das Geringste und als er den Lärm der heimkehrenden Deputation hörte, sagte er: „Was hat denn das Bürgerpack, dass sie so lustig sind?“ Aber darum nachfragen hielt er nicht der Mühe wert.

Abends mit Eintritt der Dunkelheit hörten die Burgkundstadter auf einmal ein schreckliches Gebell und Getöse. Mehrere mutige Leute erstiegen den Kronacher Tor-Turm und was sie da sahen, machte ihnen das Herz erbeben.

Unzählige Bewaffnete kamen aus dem Stadtwalde, viele mit brennenden Fackeln versehen und näherten sich der Burg, indem sie an den Stadtmauern vorbeiliefen. Sie legten an die Burgmauern ihre Leitern an. Dieselben erwiesen sich aber als zu kurz und ehe sie dieselben durch Zusammenbinden verlängern konnten, gaben die Türmer in der Burg Warnsignale.

Als die Bauern die Mauern ersteigen wollten, wurden sie mit siedendem Öl übergossen und ihre Leitern umgeworfen, so dass sie vom Sturm ablassen mussten.

Die Bauern umliefen die Burg wie Raubtiere, immer ein furchtbares Geheul ausstoßend, bis sie an das Haupttor kamen, wo sie sich sammelten und das Tor zu erstürmen suchten. Sie wurden aber von dem Ritter und seinen Leuten so übel empfangen, dass sie auch da ablassen mussten.

Unterdessen ließ der Ritter auf seinen drei Wachtürmen große Feuer anzünden, um die umwohnenden Adeligen zu veranlassen, ihm Hülfe zu schicken, ein vergebliches Bemühen, denn die Schlösser Strößendorf, Schmölz, Türschnitz, Mitwitz und andere mehr waren schon gestürmt und verbrannt worden sowie auch Banz und Langheim. Zugleich mussten die Wächter auf ihren Hörnern blasen, was den Lärm vermehrte.

Unter den Bauern waren viele verwundet, sie stellten sich die Erstürmung viel leichter vor. Jetzt schickte der Anführer Leute in den Wald, um drei große Bäume zu fällen. Nochmals wurde der Sturm versucht, indem die Burg auf zwei Seiten angegriffen wurde, aber an der Wachsamkeit der Belagerten scheiterte auch dieser Angriff und die Bauern mussten wiederum mit Verlust von mehreren Leuten ablassen. Die Belagerten schossen mit scharfen Bolzen, schmissen die Leitern um und gossen siedendes Öl und Wasser auf die Köpfe der Emporklimmenden.

Es trat nun auf Seite der Bauern kurze Ruhe ein, indem der Hauptmann sagte, sie sollten warten, bis die Bäume kämen.

Der Burgherr benutzte die Zeit, um seine Frau zu beruhigen, im schlimmsten Falle hofften sie durch den unterirdischen Gang in die Stadt zu entweichen. Vorsorglich ließ der Ritter die goldene Wiege in einen der Seitengänge schaffen; dann ging er zu seinen Leuten, ließ ihnen Wein reichen und sprach ihnen Mut ein.

Ein Geschrei der Bauern veranlasste ihn hinaus zu schauen und was er sah, machte ihn erbleichen.

Die Bauern hatten drei mächtige Bäume ihrer Äste beraubt und gegen die Mauer gerichtet. An jedem Baum standen ungefähr 30 Mann, die den Baum als Sturmblock benutzten.

Beim ersten Stoß erbebte die Mauer, die aus Brockensteinen gebaut war und es half dem Ritter nichts, dass seine Leute die Bauern nieder schossen, wo einer fiel, standen immer zwei dafür da. Beim zweiten Stoß der Sturmblöcke stürzte schon der obere Teil der Mauern in den Burghof.

Der Ritter ließ seine Frau und ihre Dienerin in den geheimen Gang schaffen, ließ die Öffnung dazu verschütten und zog sich mit seinen Leuten in den festesten Turm zurück, immer noch hoffend, dass ihm seine Freunde zu Hülfe kommen würden.

Kaum waren sie alle im Turme, als sie furchtbares Krachen und Geschrei hörten. Der dritte Stoß der Sturmblöcke warf die Mauer in einer Breite von 20 bis 30 Fuß nieder.

Durch diese Bresche stürzten nun die Bauern in den Burghof. Da sie denselben leer fanden, zündeten sie ein Feuer an und bereiteten sich ihr Frühstück, vermeinend, der Ritter hätte sich mit seinen Leuten in die Stadt zurück gezogen. Aber als sie beim Essen saßen, war es Tag geworden und beim Licht des grauenden Tages gewahrten sie ihre Feinde im Turme.

Der Ritter ließ sich nun herbei, mit dem verachteten Bauernführer vom Turme aus zu unterhandeln, aber dieser ließ sich auf gar nichts ein, sondern befahl seinen Leuten, rund um den Turm herum Holz aufzuschichten und dasselbe anzuzünden.

Dies geschah und in kurzem stiegen die Flammen von allen Seiten in die Höhe.

Der Ritter mit seinen Leuten musste vor Rauch und Hitze halb erstickt sich ergeben und kamen nun aus dem Turm um Gnade flehend.

Die Bauern ergriffen den Ritter, banden ihm Hände und Füße, schmissen ihn zu Boden und ließen ihn liegen. Als er eine Zeitlang gelegen, ließ ihn der Bauernanführer vor sich kommen und befahl ihm, den Ort anzugeben, wo er seine Kostbarkeiten aufbewahrt habe, da seine Leute beim Durchsuchen der Burg nichts gefunden hätten.

Der Ritter würdigte ihn gar keiner Antwort, da er ohnedies wusste, dass ihm der Tod gewiss war.

Der Anführer fragte ihn nochmals und da er wieder keine Antwort gab, sagte er zu den Bauern, sie mögen mit dem adeligen Räuber machen, was sie wollen.

Die Bauern belustigten sich nun damit, den Ritter zu mißhandeln. Da kam auf einmal der Wurzelhannes, trat vor den Ritter, schlug ihn ins Gesicht und sagte: „Nun elender Bauernschinder, kennst Du mich noch? Weißt Du, wie Du mich unschuldigerweise halb tot geschlagen hast? Nun soll Dir nach Gebühr vergolten werden! Brüder“, wandte er sich an die umstehenden Bauern, „dieser Hund ist der allerärgste von seinen Kumpanen; viele Unschuldige ließ er in seinem Verließ verhungern, wenn sie kein Lösegeld schaffen konnten; viele Bauern schlug er wegen ganz geringer Versehen, dass sie zeitlebens elend blieben und nichts mehr arbeiten konnten, so dass sie betteln mussten. Es gibt keine Schlechtigkeit, die er nicht begangen. Ihn tot schlagen wäre noch zu gut für ihn. Ich sah in einer Ecke im Burghof einen Kessel mit Öl stehen, wahrscheinlich sollte dasselbe noch siedend gemacht und auf uns gegossen werden, wie es gestern geschehen. Darum, dass das Öl nicht vergebens da steht, wie wäre es, wenn wir den Ritter ein bisschen schmoren ließen? Da könnte er doch auch sehen, wie wohl siedendes Öl tut.“

Ein hundertstimmiger Jubel beantwortete diese Rede. Der Kessel wurde in den Hof geschoben, Feuer darum angezündet und als das Öl zu kochen begann, wurde der Ritter gepackt und trotz seines Schreiens und Widerstandes in den Kessel geworfen. Er stieß furchtbare Schreie aus und war nach einigen Minuten nur noch ein formloser Klumpen, der grauenhaft anzusehen war.

Mehrere Bürger von Burgkundstadt, die von ihren Mauern aus die Untat zugesehen, stiegen herab und verkündeten den entsetzten Einwohnern, was geschehen.

Die Bauern, nicht zufrieden mit der grausen Hinrichtung des Ritters, schnitten dessen Knechten Nasen und Ohren ab und jagten sie aus der Burg. Dem vertrauten Knappen des Ritters aber, der Teilnehmer an allen Schandtaten desselben war, steckten sie in ein Fass, schlugen es zu, trieben lange spitze Nägel in dasselbe, rollten es mehrmals im Burghof auf und nieder und ließen es darauf in den Burggraben rollen. Darüber war es wiederum Nacht geworden; die Bauern ließen es sich in den Räumen der Burg wohl sein, stellten Wachen aus und verschliefen ihre Räusche. Des andern Tags wurde der größte Teil der Burg nieder gerissen. Sie sollte durch Feuer zerstört werden, aber auf vieles Bitten der Bürger, welche befürchteten, das durch den Brand auch das Städtlein angesteckt werden könnte, unterließen es die Bauern und zogen in andere Gegenden.

Die Burgfrau war mit ihren Mägden im geheimen Gang eingeschlossen. Der Eingang war so versteckt angelegt, dass ihn die Bauern nicht finden konnten, zumal er verschüttet war; übrigens suchten sie auch nicht viel danach.

Die Burgfrau hatte keine Ahnung von den Begebenheiten in der Burg, als aber von den gewaltigen Stößen der Mauerbalken die Mauern einstürzten, vernahmen die Eingeschlossenen das Geräusch und eilten voll Furcht in den Gang vorwärts, kamen endlich an eine starke Thüre, die von innen mit eisernen Riegeln versperrt war. Nur mit großer Mühe konnten sie die Riegel zurück schieben und die Thüre sprang auf. Die Tageshelle blendete sie und als sie ans Tageslicht gewöhnt waren, sahen sie sich im Hofe eines großen Hauses mitten in der Nacht.

Der Eigentümer des Hauses, ein früherer Bediensteter des Ritters, war schon früher auf das Eintreffen der Burgfrau vom Ritter verständigt worden. Er nahm die Flüchtigen sehr gut auf und räumte ihnen die besten Zimmer seines Hauses ein.

Das erste, was die Burgfrau tat, war, dass sie sich nach den Schicksalen ihres Mannes und der Burg erkundigte. Man sagte ihr aber nur, dass die Bauern in die Burg eingedrungen und der Ritter mit seinen Leuten sich in einen Turm zurück gezogen hätte.

Die Edelfrau ging in ihr Zimmer und verbrachte den Rest des Tages im Gebet. Auch die Nacht über betete sie und schickte ihre Mägde aus, um Erkundigungen einzuholen.

Die Hausleute, bei denen die Burgfrau Aufnahme gefunden, wussten von dem Schicksal des Ritters und eine der Mägde war roh genug, der Frau die ganze Geschichte zu erzählen.

Die Folge davon war, dass die Frau in eine tiefe Ohnmacht fiel. Nach vielen Mühen wurde sie zwar wieder zu Leben gebracht, aber ihre ohnedies schwache Gesundheit war ganz zerrüttet. Einige Tage später wurde sie von einem toten Knäblein entbunden und wieder nach einigen Tagen trug man auch sie hinaus zur ewigen Ruhe.

Weder die verlebte Burgfrau noch ihre Mägde erwähnten gar nicht der goldenen Wiege und so kam die Geschichte in Vergessenheit.

Der Bauernkrieg breitete sich immer mehr aus. Es wurden von dem Haufen noch viele Burgen und Schlösser zerstört, bis sie im Jahre 1525 in der Nähe von Frankenhausen in einer großen Schlacht größtenteils nieder gemacht und versprengt wurden.

Die Bewohner des Hauses in Burgkundstadt, wo die Burgfrau starb, ließen den unterirdischen Gang verschütten, soweit er in ihr Eigentum ging, und durch die eingestürzten Mauern und Türme wurde auch der Eingang im Burghof noch mehr verdeckt, so daß die spätere Generation nichts mehr davon wußte.

Lange Zeit nach obigen Begebenheiten fanden Nachkommen des Kaufmanns in Nürnberg eine Schrift, worin derselbe seine Erlebnisse niedergeschrieben hatte und worin auch seine Gefangenschaft und die Geschichte mit der goldenen Wiege verzeichnet war. Sie ließen in Burgkundstadt nachfragen, wie es mit des Ritters Familie und der Burg desselben stehe und wie es mit der goldenen Wiege desselben ergangen sei. Allein niemand konnte über letztere Auskunft geben.

Mit dem Tode des Ritters Kunstadt starb der Name desselben aus. Die Burg mit Besitzungen fiel einem entfernten Verwandten desselben zu.

Ein späterer Besitzer, der Ritter Hans von Schaumberg, ließ anno 1575 das nur teilweise zerstörte Schloss wieder aufbauen. Da man ihm die Sage erzählte, fand er es doch der Mühe wert, nach dem geheimen Gang zu forschen. Aber alles Suchen und Nachgraben war vergebens, und so ruht die goldene Wiege heute noch in ihrem Gelass und die Sage breitet nach wie vor ihre grauen Schleier darüber.

Burgkundstadt, Mai 1888

I. Thurnauer